Werksbesichtigung bei Dyckerhoff hinterlässt tiefe Eindrücke

Eine beeindruckende Besichtigung des Dyckerhoff-Zementwerkes erfuhren in einer gemeinsamen Gruppe Mitglieder des MGV Edelweiß Leeden und der Chorgemeinschaft Lengerich, verstärkt um einige Gäste. Nach der Begrüßung erinnerte ein kurzer geschichtlicher Rückblick an die lange Tradition der Zementherstellung in Lengerich, die 1842 begann. Der inzwischen in den Ruhestand gewechselte langjährige Mitarbeiter Friedel Snethkamp erwies sich dabei für die Gruppe als der ideale und engagierte Führer, der keine Frage unbeantwortet ließ.

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Foto Frank Bosse: Die Besuchergruppe wurde mit einem herrlichen Rundblick über das Tecklenburger Land für die ein wenig strapaziöse Werksbesichtigung belohnt

Nach einer Einweisung in die Arbeitssicherheit und Entgegennahme von Helm, Warnweste und Schutzbrille begann der Rundgang über das ausgedehnte Werksgelände.  Arbeitssicherheit und wird im rauen Betriebsablauf des Zementwerkes groß geschrieben. Markierungen und Hinweise an neuralgischen Betriebspunkten erinnern ständig an richtiges Verhalten im Werksbereich. Nach einem Blick in das weitläufige Abbaugebiet des Kalksteins kamen Technik begeisterte schon an der Brecheranlage auf ihre Kosten. Hier kippen die mit bis zu neunzig Tonnen Kalkgestein beladenen Muldenkipper ihre Fracht ab. Verfolgt wurde dann der technische Ablauf der Zementherstellung über die Zwischenlagerung des Gesteins im Mischbett, die nach geschalteten Mühlen, das Rohmehlsilo und an einem stillgelegten Drehofen die Herstellung der Klinker als gebranntes Ausgangsmaterial für den Zement. Für verschiedene Sorten, bei denen der Zement für Offshorebohrungen  –  einer Deutschland weit einmaligen Lengericher Spezialität –  werden noch unterschiedliche Zuschlagstoffe hinzugefügt, ehe über die Zementmahlanlage das fertige Produkt in Silos zur Abfüllung bereit liegt. Voll automatisch wird der gesamte Prozess von einer Zentralwarte überwacht und geregelt. Spätestens hier war auch die Überwachung und Einhaltung der Emissionsgrenzen Thema in der Gruppe. Schon am Drehrohrofen stand der enorme Energiebedarf des Werkes, der etwa dreißig Prozent der Produktionskosten im Mittelpunkt der Diskussion: Öl, Gas, Braukohlenstaub oder die heutige Nutzung von „Fluff“, einem geschredderten Gemisch von im wesentlichen Kunststoffabfällen stehen im Wettbewerb zueinander als günstigster Energielieferant. Und da jeder Brennstoff umfangreiche technische Investitionen erfordert, ist eine wohl überlegte Kalkulation und Abwägung auch unter Umweltgesichtspunklten unabdingbar.

Natürlich war der Höhepunkt der  Besichtigung der Blick von dem über einhundert Meter hohen Wärmetauscherturm des Drehrohrofens Nr. 8. Ein herrlicher Fernblick über das weite Tecklenburger Land ließ den ein wenig strapaziösen und über drei Stunden dauernden Rundgang schnell vergessen. Doch die Diskussionen besonders über das Abwägen des Abbaus von Rohstoffen, das im Lengericher Raum unübersehbare Narben in der Landschaft nach sich zieht, und den Erhalt von Arbeitsplätzen setzten sich noch während des anschließenden Mittagessens fort. Immerhin ist Dyckerhoff in Lengerich auch nach einem noch vor wenigen Jahren dramatischen Abbau von Arbeitsplätzen einer der größten Arbeitgeber in Lengerich. Schön, dass Snethkamp auch kritische Fragestellungen nicht unbeantwortet ließ!

Ein Artikel von Frank Bosse

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